Junge sitzt am Laptop

Internet und Sucht: Was ist exzessiver Medienkonsum?

Eine Welt ohne Internet, Computer und Smartphone – heutzutage nicht mehr denkbar: In deutschen Haushalten, in denen Kinder und Jugendliche leben, herrscht mediale Vollversorgung mit Radio, Fernseher, Computer, Handy bzw. Smartphone sowie einem Internetzugang. Medieninhalte und Mediengeräte sind allgegenwärtig und bereichern unsere Informationssuche, unser Kommunikationsverhalten und unser Bedürfnis nach Unterhaltung. Aber wo hört der „gesunde“ Umgang mit Computern und Co. auf und wo fängt ein gefährliches, vielleicht sogar süchtiges Verhalten an?

Seit einigen Jahren wird in wissenschaftlichen Arbeiten deshalb diskutiert, ob der exzessive Medienkonsum als Internetsucht diagnostiziert werden kann – als „Medienabhängigkeit“. Im Rahmen dieser Diskussion haben sich die Anzeichen für eine Klassifikation des pathologischen Computer- und Internetgebrauchs als eigenständiges Störungsbild im Bereich der Verhaltenssüchte verdichtet. Dabei sind verschiedene Ausprägungen denkbar: Sucht nach Computerspielen, vor allem Online-Rollenspielen, Sucht nach Sozialen Netzwerken, wie WhatsApp oder auch die Suchtnach Onlinesex o. ä. Viele Eltern sind deshalb verunsichert und fragen sich, wie viel Zeit am Computer oder Smartphone noch gut für ihre Kinder ist und ob diese „internetsüchtig“ sind.

Gibt es einen Test für die „Sucht nach Internet“?

Die Verhaltensweisen und Gefühle der Betroffenen ähneln dabei den Suchtmechanismen anderer bekannter Süchte wie z. B. der Glücksspielsucht. Zu den Symptomen zählen: Zeitlich unkontrollierter, oft stundenlanger Konsum, stetige Erhöhung der Nutzungsdosis, übermäßige gedankliche Beschäftigung mit dem Medienverhalten, misslingende Reduzierungsversuche, Entzugserscheinungen bei Nichtkonsum, Vernachlässigung schulischer oder beruflicher Verpflichtungen und sozialer Kontakte, Verheimlichung und Bagatellisierung des Verhaltens und möglicher Folgeprobleme. Die Computernutzung bekommt im Leben der Betroffenen eine Funktionalität oder umgekehrt Dysfunktionalität. Treten mehrere dieser Symptome über einen längeren Zeitraum auf, kann eine Abhängigkeit vorliegen.

Verschiedene Studien kommen zu dem Schluss, dass etwa zwei bis vier Prozent der Jugendlichen internet- oder computerabhängig sind – noch einmal so viele gelten als gefährdet. Die Betroffenen zeigen dabei die üblichen Suchtsymptome gemäß dem Diagnoseklassifikationssystem ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation. Bei den Untersuchungen wurden jedoch auch starke Geschlechterunterschiede je nach Art der Mediennutzung festgestellt: Im Bereich der pathologischen Computerspielnutzung sind Jungen deutlich stärker betroffen, Mädchen wiederum zeigen ein häufigeres Suchtverhalten im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken und Chats.

Ein Hilfsmittel, um exzessives Medienverhalten zu überprüfen, ist der Selbsttest von Ins-Netz-gehen.de.

Quellen:
KIM-Studie 2012, JIM-Studie 2013
Grüsser & Rosemeier, 2004; Griffiths, 2000
Rehbein, Klei​mann & Mößle, 2009
PINTA-DIARI Studie 2013

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