Mutter und Tochter streiten wegen Smartphone

Problemen vorbeugen – worauf müssen Sie achten?

Computerspiele und Internetangebote sind in ihrem Gefährdungspotenzial davon abhängig, auf welche Art und Weise sie genutzt werden. Manche Eltern würden ihrem Kind am liebsten ganz verbieten, den Computer zu benutzen. Solche Verbote sind selten wirksam, sie schädigen nicht nur das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Jugendlichen, sondern sind in der Informationsgesellschaft, in der die Computernutzung eine Schlüsselqualifikation ist, nicht zielführend. Erfolgversprechender sind deshalb gemeinsame Vereinbarungen darüber, wie Computer und Smartphone im richtigen Maß genutzt werden können.

Vereinbarungen treffen

Grundsätzlich gilt: Jugendliche wollen nicht gern kontrolliert werden, auch wenn es ihrem Schutz dient. Erfahrungsgemäß sind sie eher dazu bereit, sich einer Vereinbarung anzupassen, wenn sie selbst an dieser beteiligt werden. Nehmen Sie sich deshalb die Zeit, um gemeinsam festzulegen, welche Alltagsregeln im Umgang mit Computer und Smartphone gelten sollen. Folgende Punkte sollten Sie in ruhiger Atmosphäre besprechen:

Wann werden der Computer oder das Smartphone genutzt?

Hilfreich sind klare Zeitvereinbarungen. Es hat sich bei Jugendlichen ab etwa 14 Jahren bewährt, Zeitkonten zu führen, z.B. acht Stunden pro Woche Spielzeit oder Online-Zeit. Besprechen Sie miteinander, dass die anderen Lebensbereiche des Jugendlichen wie Freunde treffen, essen, schlafen oder Zeit mit der Familie nicht durch die Mediennutzung beeinträchtigt werden sollen. Legen Sie gemeinsam fest, welche Konsequenzen Sie ziehen, wenn das Limit nicht eingehalten wird. Besprechen Sie außerdem, ob es Ausnahmen geben darf, z. B. am Wochenende. Manchmal möchte Ihr Kind den jeweiligen Spielzug zu Ende spielen. Überlegen Sie unbedingt vorher gemeinsam, ob und wann dies geht, z. B. wenn am nächsten Tag keine Schule ist oder wenn alle anderen Pflichten erfüllt sind.

Hilfreich sind auch Regeln für den Umgang mit Handys und Smartphones. Hier ist die Kontrolle jedoch etwas schwieriger und sollte stark vom Alter abhängig gemacht werden. Vor allem Kinder nutzen das Smartphone gern wie den Computer: zum Spielen oder Surfen. Hier können Sie deshalb, wie bei der Computernutzung, das Smartphone für beschränkte Zeiteinheiten zur Verfügung stellen – eine Stunde am Tag kann völlig ausreichend sein. Ein eigenes Smartphone sollten Kinder erst dann besitzen, wenn sie die Gefahren des Internets kennen und wissen, wie sie sich schützen können. Das ist ab etwa 12 Jahren der Fall.

Ältere Jugendliche tragen das Smartphone selbstverständlich immer bei sich und nutzen es als alltägliches Kommunikationsinstrument, z. B. für Whatsapp und Facebook. Hier laufen Zeitkonten schnell ins Leere. Besser eignen sich daher z. B. Tarife mit einem begrenzten Datenvolumen oder Geldbetrag für die Onlinenutzung. So lernen Jugendliche, das ihnen zur Verfügung stehende Budget über den Monat sinnvoll zu verteilen. Sie können zudem Verträge wählen, die ein Surfen über dem Datenvolumen ausschließen oder Sie vereinbaren, dass Surfen über dem Limit auf eigene Kosten erfolgt – das motiviert Jugendliche, ihren Datenverbrauch ernsthaft im Blick zu behalten. Darüber hinaus können Sie Festlegungen für bestimmte Situationen treffen: z. B. „handyfreie Zeiten“ im Unterricht, beim gemeinsamen Abendessen, während einer Familienfeier oder nach dem Zubettgehen.

Solche Regeln dienen Ihnen und Ihrem Kind zur Orientierung. Seien Sie bei der Einhaltung konsequent! Die Computer- bzw. Smartphone-Nutzung sollte jedoch nicht als Belohnung oder Strafe eingesetzt werden. Dies räumt dem Computer oder Smartphone einen zu hohen Stellenwert in Verbindung mit Emotionen ein. Schlagen Sie lieber vor, dass erst nach Erledigung der Hausaufgaben oder anderer Aufgaben der Computer eingeschaltet bzw. das Smartphone wieder genutzt werden darf.

Was wird genutzt?

Weitere Vereinbarungen sollten darüber getroffen werden, welche Angebote die Kinder und Jugendlichen nutzen. Achten Sie unbedingt auf den Jugendschutz. Die zuständige Stelle für die Prüfung und Altersfreigabe von Computer- und Videospielen in Deutschland platziert auf den Packungen von Computerspielen eine Alterskennzeichnung (auch unter www.usk.de). Achten Sie beim Kauf darauf. Eine weitere Orientierungsmöglichkeit bieten Medienempfehlungen, beispielsweise von der Aktion Jugendschutz. Übrigens: Onlineangebote haben keine Altersempfehlung. Hier hilft es, wenn Sie sich das Spiel zeigen lassen und mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter darüber sprechen, was genau der Inhalt ist. Informieren Sie sich, wie das Spiel pädagogisch bewertet wurde (z. B. im Internet unter www.spielbar.de oder in der Broschüre „Spiel und Lernsoftware pädagogisch beurteilt“, erhältlich unter (www.bmfsfj.de).

Wo steht der Computer? Wann sind Smartphone und Tablet verfügbar?

Der Standort des Computers hat einen großen Einfluss darauf, wann und wie Kinder und Jugendliche ihn nutzen. Es hat sich bewährt, ihn an einem gemeinsam genutzten Standort aufzustellen. Bedenken Sie: Wenn der Computer im Kinderzimmer steht, dann steigt die Wahrscheinlichkeit einer intensiven Nutzung. Sie sollten Ihr Kind auch fragen, ob und wie lange es bei Freunden am Computer sitzt oder wo es außerhalb von zu Hause überall einen Computer nutzt. Ähnliches gilt für die Nutzung von Tablets. Ein gemeinsames „Familien-Tablet“ schützt davor, dass Jugendliche ständigen Zugriff darauf haben. In Sachen Smartphone bedarf es einer besonderen Aufmerksamkeit der Eltern, da vor allem ältere Jugendliche es naturgemäß bei sich tragen – ein „neutraler“ Nutzungsort wie bei einem Computer ist hier ausgeschlossen. Hier kommt es deshalb besonders auf die Vereinbarung klarer und verständlicher Nutzungsregeln an.

Alternativen anbieten!

Wie in einer Familie die gemeinsame Zeit verbracht wird, hat auch Einfluss darauf, wie Jugendliche ihre Freizeit gestalten. Eltern sind hier Vorbilder. Das betrifft auch den Umgang mit Medien. Je abwechslungsreicher Sie die Zeit in der Familie miteinander verbringen, umso zugänglicher wird Ihr Kind für andere Freizeitgestaltungen sein.
Motivieren Sie sich selbst und Ihr Kind dazu, mal wieder etwas gemeinsam zu unternehmen. Die Möglichkeiten sind groß. Attraktive Freizeitangebote sind z. B. gemeinsame Spieleabende, Spaziergänge, sportliche Betätigungen oder der Besuch kultureller Einrichtungen, die für Jugendliche interessant sind. Ihr Kind interessiert sich für Rollenspiele oder Fantasy-Welten? Auch Rollenspiele mit Stift und Papier („Pen & Paper“-Spiele), mit Karten oder Würfeln sind für viele Heranwachsende reizvoll. Vereinbaren Sie einen gemeinsamen „medienfreien“ Tag oder Abend für die ganze Familie. Kein Fernsehen, kein Smartphone, kein Computer – das gilt dann auch für Sie! Nehmen Sie sich in der neu gewonnenen Zeit Zeit für Ihr Kind und zeigen Sie ihm, dass Sie gerne etwas mit ihm zusammen unternehmen.

Die Einhaltung von Vereinbarungen ist wichtig und soll Ihnen und Ihrem Kind den angemessenen Umgang mit Computer, Internet und Smartphone erleichtern. Parallel dazu müssen Jugendliche aber auch lernen, selbstverantwortlich und gefahrenbewusst mit diesen Medien umzugehen. Hält Ihr Kind sich nicht an die getroffenen Vereinbarungen, sollten Sie konsequent handeln. Wichtig: Statt Verboten sollten Sie Aufgaben und Pflichten an Ihr Kind übergeben, die außerhalb der Mediennutzung liegen, aber wichtig für die Familie sind – wie z.B. den Müll rausbringen, den Geschirrspüler ausräumen oder Sie allgemein zu Hause unterstützen. Zunächst sollte gemeinsam besprochen werden, wie eine Einhaltung der Regeln und Vereinbarungen gelingen kann. Helfen Sie Ihrem heranwachsenden Kind dabei, Lösungen zu finden und seien Sie auch hier gesprächsbereit.

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